Holunder (Sambucus nigra)
Heute fühle ich mich als richtige Kräuterhexe. Warum? Folgende Indizien sprechen dafür: Krabbeltiere in der Küche, Blüten im Haar und morgen wird die ganze Wohnung nach Holunder duften –typische Anzeichen einer ergiebigen Holunderblütenernte. Und nun sitze ich grinsend (ob der Duft high macht?!) vor dem Rechner, um zu berichten:
Der Holunder ist eine sehr wertvolle Wildpflanze. Man sagt, ein Holunder-Strauch im Garten soll Familie, Haus und Hof vor Unheil und bösen Geistern schützen und ein weiterer Spruch besagt, „Wenn Du an einem Holunderbaum vorbeigehst, verneige Dich und zieh Deinen Hut.“ Ich kann dem nur beipflichten, da der Holunder zum einen durch seine heilende Wirkung bei Erkältungskrankheiten und zum anderen durch seinen kulinarischen Wert hervorsticht. Diese Eigenschaften zeigen sich für Blüten und (!) Früchte, also kann man zweimal im Jahr vom Holunder profitieren. Das Aroma von Blüten und Früchten ist einzigartig und die Verarbeitung geht relativ schnell und einfach.
Im Moment fällt der Strauch durch seine großen hellen Blütendolden auf. Zuerst hatte ich Angst, dass die vielen Regengüsse, den wertvollen Pollen ausgewaschen haben könnten. Doch diese Angst war unbegründet. Nach meiner Ernte sah ich sicher ähnlich gelb bepudert aus, wie so manche Tierchen, die ich im Holunder fand und die teilweise komplett zartgelb bedeckt waren. Dabei versuchte ich den Staub mit aufzufangen, da er wohl einen Teil des Aromas und vor allem der Farbe der Holunderblütenprodukte ausmacht. Am besten breitet man nach der Ernte die Blüten sofort auf Zeitungspapier aus, damit ungebetene Gäste die Möglichkeit haben, zu fliehen.
Folgende Produkte habe ich aus den Blüten zubereitet:
Holunderblütentee
Die Trocknung zum Tee hat bei mir oberste Priorität. Eine Erkältung im Jahr ist sicher und ich behandle mich prinzipiell nur mit heilpflanzlichen Produkten und freue mich natürlich, wenn ich diese auch noch selber herstellen kann. Ich habe sehr gute Erfahrungen mit Holunderblütentee gemacht. Er entfaltet seine Wirkung besonders im Anfangsstadium der Erkältung, wenn man das erste Kratzen im Hals spürt oder allgemein bei Stress und Kälte befürchtet krank zu werden. Die schweißtreibende Wirkung kann eine Erkältung noch vor der Entstehung unterbinden. Um die Wirkung zu verstärken kann man sich beim Trinken ganz warm einpacken und ins Bett legen.
Zum Trocknen die Dolden flach auf Zeitungspapier ausbreiten, kleine Tiere flüchten von allein. Nach ein paar Wochen können die Blütchen von den Stielen abgestreift werden, auch der Blütenstaub gehört zum Tee. Den Tee trocken und vor Licht und Luft geschützt aufbewahren, versteht sich.
Holunderblütensirup
Der Sirup mit dem herrlichen Aroma ist vielseitig verwendbar. Mit Selters wird er zur Limonade, kann aber auch Sekt, Bowle oder Cocktails aromatisieren, er süßt Tee, Gebäck und Desserts. Der Fantasie sind also keine Grenzen gesetzt. Für die Haltbarkeit ist ein Zuckergehalt von circa 50 % notwendig. Aber auch niedrigere Zuckergehälter sind denkbar, da die Sterilisation auch über das heiße Abfüllen in saubere Flaschen geschieht. Bisher halte ich mich an die 50 %, werde aber sicher in Zukunft auch mal mit weniger Zucker oder sogar mit Zuckeralternativen wie Apfeldicksaft experimentieren.
Bei der Herstellung herrscht bei mir das Prinzip „viel hilft viel“. Ein starkes Aroma ist mir wichtig, daher fülle ich meinen größten Topf komplett mit Holunderblüten und bedecke diese mit Wasser. 24 h soll dieser Ansatz nun ruhen. Danach durch ein feines Sieb seihen und pro Liter Wasser 1 kg Zucker hinzufügen und aufkochen. Zudem wird noch Zitronensäure oder Zitronensaft hinzugefügt. Was die Menge betrifft, muss ich selber noch probieren.
Holunderblütenschnaps
Am Schnaps gefällt mir, dass der Zuckergehalt nicht so hoch ist.
Die Holunderblüten wurden in ein großes Schraubglas zusammen mit der Schale einer halben Zitrone, 2 EL Apfeldicksaft (Zuckeralternative-Experiment) und 0,5 l Wodka gefüllt. Dieser Ansatz soll nun 1 Woche ziehen und wird dabei mehrmals geschüttelt. Dann wird er gefiltert und in eine saubere Flasche gefüllt.
Holunderblütengelee
Gelees und Marmeladen sind schöne Mitbringsel und daher eine Zubereitung wert.
In 750 ml Apfelsaft habe ich wieder so viele Holunderblüten wie möglich gegeben und auch dieser Ansatz soll 24 h ziehen. Dann abseihen und mit Gelierzucker verrühren, aufkochen und 4 min kochen lassen. In saubere Gläser füllen.
Dieses Rezept brachte mich auf die Idee, dass man auch Säfte zum Trinken aromatisieren kann, was ich prompt probierte.
Holunderblütensäfte
Zum einen habe ich in den restlichen Apfelsaft Holunderblüten gegeben und werde morgen davon probieren. Bei einer größeren Menge könnte man sogar Säfte aromatisieren und dann einkochen, um später davon zu profitieren. Wäre auch eine Alternative zum sehr süßen Sirup, nur die Haltbarkeit wäre nicht ganz so lang, aber möglicherweise ausreichend.
Da ich noch eine leichte Erkältung mit mir rumschleppe und daher noch meinen Holunderbeerensaft trinken wollte, kam ich auf die wahnwitzige Idee, diesen Saft mit den Blüten zu aromatisieren. Bin morgen gespannt auf das Ergebnis.
Nachtrag: Die aromatisierten Säfte schmeckten sehr gut. Das muss ich mir für das nächste Jahr auch merken.
Und immer noch waren Blüten übrig, also habe ich mich doch noch an einen süßen Likör gewagt.
Holunderblütenlikör
Dafür habe ich wieder ein Schraubglas mit den Blüten befüllt und 1 unbehandelte Zitrone in Scheiben und 200 g Zucker, sowie 3/8 l Korn zugefügt. Ab und zu wird er geschüttelt während er 4-6 Wochen durchzieht.
Und schließlich mit dem Rest der Blüten konnte ich dann noch ein weiteres Rezept ausprobieren.
Holunderblütenzucker
Dafür habe ich die restlichen Blüten in ein Glas gefüllt und nach Gefühl mit Zucker bedeckt. Das ganze wird nun ein paar Wochen ab und zu durchgeschüttelt und dann gesiebt, um die Blütenbestandteile zu entfernen.
Holunderblütenessig
Im letzten Jahr habe ich diesen leckeren Essig hergestellt, von dem immer noch etwas übrig ist, da ich leider zu selten Essig verwende. Dieser Essig kann sein zartes Aroma besonders zu feinen Salatzutaten wie Blattsalat oder Gurken entfalten. Ich habe neulich davon gelesen, dass man Vanilleeis mit Balsamicoessig besprüht essen kann, könnte mir vorstellen, dass Vanilleeis mit Holunderblütenessig besprüht auch lecker ist.
Die Zubereitung ist denkbar einfach: einfach so viel Holunderblüten wie möglich in ein Schraubglas füllen, mit Apfelessig oder Weißweinessig auffüllen, einige Wochen ziehen lassen, dabei ab und zu schütteln und dann abseihen und abfüllen.
