1. Etappe: Idar-Oberstein nach Fischbach- 12,8 km auf und ab

Ich habe die erste Etappe hinter mir und liege erschöpft im Bett. Der Weg führte mich hoch runter hoch runter… durch einen artenreichen Buchenmischwald. Mir fielen sofort helle, leicht rosa Steine auf dem Weg auf. Sie erinnern mich an Schmuck. Ich kenne sie nicht aus den Regionen, wo ich bisher wandern war. Leider kenne ich mich nicht gut damit aus und meine Recherchen lieferten auch nicht die Antwort auf die Frage, wie diese Steine heißen. Aber wenn die Gesteine der Gegend nicht besonders wären, so hätte man hier früher auch keine Edelsteine abbauen können. In einer Zeit, wo der Abbau dann zurückging, wanderten Bewohner der Stadt nach Brasilien aus und entdeckten dort ein großes Edelsteinvorkommen. Sie sendeten die edlen Steine nach Idar-Oberstein und somit war das Geschäft gesichert, undzwar bis heute.

Edelsteine prägen das Stadtbild von Idar-Oberstein

Hildegards Steinkunde

Passend dazu beschäftigt sich eine der ersten Tafeln des Pilgerweges mit Hildegards Steinkunde. Sie schrieb im Buch Physica über die heilende Wirkung von Steinen (Buch 4) und Metallen (Buch 9). Da ich beim Wandern teilweise dem Kupfer-Jaspis-Weg gefolgt bin, möchte ich zitieren, was Hildegard zu Stein und Metall schrieb:

„Das Kupfer ist kalt, erwärmt sich jedoch schnell (…). Wer ein Fieber hat, das im Magen entsteht, der soll reines Kupfer in fränkischen Wein legen und den Wein stark kochen. Sobald er einzudampfen beginnt, soll er ihn vom Feuer nehmen und nun neun Tage lang nüchtern und mäßig trinken.“

Der Jaspis wächst, wenn sich die Sonne nach der neunten Stunde schon zum Untergang neigt, und wird von der Wärme der Sonne begünstigt, stammt aber doch mehr von Luft als von Wasser oder Feuer. (..) Auch wenn ein Mensch eine Angelegenheit bedenken und behandeln will, auf die er Sorgfalt und Neigung verwendet, oder wenn er etwas Großes bei sich diskutieren oder beraten will, soll er einen Jaspis in seinen Mund legen, und die Kraft dieses Steins durchdringt Fähigkeiten und Verstand jenes Menschen und stärkt und hält seinen Geist, damit er nicht in unterschiedliche Abschweifungen und unbeständige Wechsel abgleitet, sondern im richtigen, nützlichen Maß voranschreitet.

Klingt durchaus interessant, ich möchte jedoch darauf hinweisen, dass die Wirkungen nicht belegt sind. Wir erkennen an den Buchausschnitten bereits gut, dass Hildegards Ansichten von der Vier-Elemente-Lehre (Feuer, Wasser, Luft, Erde) geprägt sind. Dies entsprach der damaligen mittelalterlichen Weltanschauung.

Ich wurde auf dem Weg wieder reich beschenkt mit Äpfeln, Birnen, einer tollen Quitte von der Streuobstwiese, Weintrauben, Thymian, Oregano und Minze. Werde in den nächsten Tagen auch berichten, was Hildegard zu dem ein oder anderen Geschenk geschrieben hat.