9. Etappe: Rüdesheimer Hildegardweg: 6,8 + 8 km

Hildegard von Bingen hatte 1150 selbst ein Kloster gegründet, undzwar auf dem Rupertsberg in Bingen. Die Stadt war damals ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt, was ihr ihre späteren einflussreichen Kontakte ermöglichte. Aufgrund der steigenden Anzahl der Schwestern gründete sie 1165 zusätzlich auf der anderen Seite des Rheins in Eibingen ein neues Kloster. Beide Klöster überlebten die Zeiten nicht. 1904 wurde in Rüdesheim ein neues Kloster gegründet, das als Weiterführung von Hildegards Kloster angesehen wird. Der Rüdesheimer Hildegardweg führt an den Weinberghängen entlang zu dieser Benediktinerinnenabtei Sankt Hildegard, wo noch heute Nonnen von Hildegards Lehren beeinflusst leben. Ich finde so ein Klosterleben sehr interessant, da es eine Form des von mir gewünschten Gemeinschaftslebens ist. Jede Schwester hat ihre Aufgaben, beispielsweise in der Hildegard-Forschung, im Weinanbau, im Klosterladen, dem Klostergarten, der Restaurierung alter Schriften, der Goldschmiede, der Keramikwerkstatt oder in der Pflege älterer Mitschwestern. Gern würde ich mal hinter die Kulissen von so einem Kloster schauen, um zu erfahren wie es sich lebt und wie alles organisiert und finanziert wird.

Die Klosterkirche ist relativ düster, am Ende des Hauptschiffes erstrahlt jedoch Jesus. Diese Illumination beeindruckte mich sehr. Mir gefiel zudem, dass Bilder verschiedener weiblicher Heiliger und Seliger an die Wände gemalt waren.

Klosterkirche

Weiter ging es für mich zur Wallfahrtskirche nach Eibingen, wo die Gebeine von Hildegard von Bingen aufbewahrt werden. Überraschenderweise berührte mich die Besichtigung sehr, was sicher durch die Orgelmusik einer Übenden verstärkt wurde. Da ich fast allein war, konnte ich mich meiner Emotionen voll hingeben.

Reliquienschrein mit den Gebeinen der Heiligen Hildegard von Bingen. Im Hintergrund sieht man ein Mosaik einer ihrer prophetischen Malereien.

Den Bingener Hildegardweg schritt ich nur teilweise ab, weil es mir dann schon zu spät war. Es gibt am Rheinufer einen informativen Garten mit ihren Heilpflanzen. Am Rupertsberg ist wenig zu sehen und ich hatte leider nicht die Zeit dort nach Ruinenresten zu suchen.

Die Pilgerreise ist nun vorbei und um es mit den Worten von Kraftklub zu sagen „Auch wenn da alle meine Freunde sind, ich will nicht nach Berlin.“

Entfernungsangabe am Bingener Rheinufer