Ich habe mehrfach durchgerechnet, weil ich die Distanz auch nicht glauben konnte. Beim gestrigen Überschlagen waren es noch 22 km. Jetzt verstehe ich auch, warum mir Füße und Beine schmerzen. Heute habe ich die Zeit aufgeholt, die ich durch die Zweiteilung der ersten Etappe verloren hatte. Ich war heute in der Klosterruine Disibodenberg, wo Hildegard damals mit 14 Jahren aufgenommen und ausgebildet wurde. Ich habe mir für diesen beeindruckenden Ort viel Zeit genommen. Danach war ich erstaunt wieviel Weg laut Schild noch vor mir liegen soll. Daher hetzte ich los die Weinberge rauf und runter. Belohnt wurde ich durch die bisher weiteste Sicht auf umliegende Berge und Täler. Als es langsam dämmerte, begann ich zu singen, um die Wildschweine fernzuhalten. Aber die Puste ging mir aus, also Selbstgespräche. Am Ende ließ ich mein Handy singen. 19 Uhr war ich endlich in der Unterkunft und gönnte mir eine reichhaltige Mahlzeit. Zum ersten Mal kam ich mit anderen Pilgern ins Gespräch über Hildegard, Visionen und die heutige Gesellschaft. Morgen ist Ausschlafen angesagt.


